New York grüner machen

Die kleine Firma „Vokashi“ prozessiert erfolgreich Küchenabfälle im „Big Apple“ und hilft dabei der Stadt, ein grüneres Image zu gewinnen.

Zumindest aus alten Filmen kennt man die runden amerikanischen Blech-Mülltonnen mit dem Deckel, mit dem sich so trefflich Musik machen lässt (Stomp!). Ganz unglaublich für uns in Deutschland ist die Tatsache, dass dies immer noch die Regel in den USA ist. Müll wird kaum getrennt, außer in einigen wenigen Städten wie Seattle oder San Francisco; sonst kommt alles an Müll zusammen in die Tonne hinterm Haus und wird abgefahren, um in riesige Müllgruben gefüllt zu werden, so genannte land-fills.

Aber wie bei uns gibt es zunehmend Menschen, die sich darüber Gedanken machen und versuchen, umweltbewusst zu leben und Müll zu trennen. Gerade in den großen Städten ist das natürlich schwierig, wenn die öffentliche Hand dafür kaum Strukturen vorhält. Aber die Amerikaner sind es gewohnt, Dinge, die ihnen wichtig sind, selbst in die Hand zu nehmen und nicht auf die Politik zu warten. Dabei wird oft eine erstaunliche Kreativität entwickelt.

Aus Bokashi wird Vokashi

Vandra Thorburn, die im New Yorker Stadtteil Brooklyn lebt, hatte vor gut fünf Jahren eine Idee. Sie war schon seit vielen Jahren aktiv in verschiedenen Community Gärten – selbstverwaltete Nachbarschaftsgärten auf Brachflächen in der Stadt. Dort ist das Thema Kompost ein stetiger Diskussionspunkt, nicht nur, weil er viel Arbeit verursacht, sondern auch, weil er Gerüche entwickelt und schnell Ratten anzieht, wenn er schlecht gemanaged wird, kurz: der Kompost repräsentiert eher die unangenehme Seite des gemeinsamen Gärtnerns. Zudem stellen oftmals Nachbarn einfach ihren Biomüll in Tüten oder Eimern an das Tor des Gartens – in guter Absicht, aber zum Leidwesen derjenigen, die den Garten bewirtschaften. Vandra, gebürtige Neuseeländerin, stieß auf einen Bokashi-Hersteller in ihrer Heimat, der sich nach einer Begegnung mit Prof. Higa ganz und gar EM und der Bokashi Produktion gewidmet hatte. Er verwies sie an den US-Vertrieb der EM-Produkte, TerraGanix.

Daraufhin begann Vandra die Geschäftsidee zu entwickeln, einen Kompost-Service für kleine Firmen und Privathaushalte anzubieten. Für einen kleinen monatlichen Betrag liefert sie luftdicht verschließ bare Eimer und Fertigbokashi. Der Biomüll wird in dem Eimer gesammelt und stetig mit dem Bokashi vermischt. Nach ca. zwei Wochen holt sie den/die Eimer ab, lässt sie noch eine Weile fermentieren und verteilt das fermentierte Material dann entweder an einen der ca. 600 Community Gärten in New York, oder lässt es in verschiedenen Parks oder anderen Grünflächen eingraben. Um an Startkapital zu kommen, beteiligte sie sich an einem Wettbewerb für neu gegründete Firmen in Brooklyn und gewann 2009 gleich den zweiten, mit 5000 $ dotierten Preis. Dann konnte es losgehen. Im eigenen Keller produziert sie ihr Bokashi und lagert ihre Leer-Eimer. Sie machte Werbung, verteilte Flugblätter, kontaktierte Schulen, Firmen und Hochschulen und startete ihre aktive Seite im Internet. Sie ist ständig unterwegs, um neue Kontakte zu machen und Menschen und Organisationen von den Vorzügen der Fermentierens gegenüber der alten Kompostierung zu überzeugen. Die Anschaffung eines mobilen Schredders hat ihr geholfen, bekannter zu werden und interessante Kooperationen zu finden.

New York will grüner werden – und Geld sparen

Anfang 2013 startete der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg eine Kampagne, um die stagnierende Recycling Rate des anfallenden Mülls in der Stadt zu verbessern. Gegenwärtig sind es lediglich 15%, bis 2017 soll nun die Rate verdoppelt werden. Für 300 Millionen Dollar jährlich werden etwa 10.800 Tonnen Müll aus der Metropole auf Deponien gefahren. Und bisher sind die Kosten jedes Jahr gestiegen. Vom Gesamtmüll sind mehr als eine Million Tonnen nur Bioabfälle, die die Stadt pro Tonne ca. 80 $ kosten. Verständlich, dass sie einerseits Kosten sparen und sich anderseits ein grüneres Image geben möchte. Für Vandra und ihr kleine Firma „Vokashi“ könnte dies eine großartige Chance sein. Nicht nur, um neue Einzelkunden zu bekommen, sondern auch, um mit Geschäftskunden einen Plan für die sinnvolle Verwertung großer Mengen Grünabfall zu organisieren; denn man kann es nicht oft genug wiederholen – wie es auch Vandra ständig tut – die organischen Abfälle sind zu wertvoll, um sie zu verbrennen oder verfaulen zu lassen. Sie müssen zusammen mit den Mikroorganismen zurück in die Erde.

 

Pit Mau

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