Das Bokashi des Gärtners

Innovative Verarbeitung von Grünabfällen

Raf Thomassen, Lehrkraft an der Gartenbauschule von Sint-Truiden (zwischen Lüttich und Löwen) hatte vor einigen Jahren schon den Begriff Bokashi von Kollegen gehört und die Effektiven Mikroorganismen kannte er auch schon länger. Aber mit dem tatsächlichen Fermentieren begann er erst im vorigen Jahr zu experimentieren.

Was mittlerweile für die Entsorgung von Grünabfällen verlangt wird, schlägt dem Fass den Boden aus. 50 Euro pro Tonne ist inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. Das gab Raf Thomassen, der in Teilzeit auch Gartenpflege und –gestaltung betreibt, doch zu denken.

Nachdem er den von der AGRITON in Alphen am Rhein organisierten Bokashi-Tag im November 2014 besucht hatte, stand Raf Thomassens Entschluss fest: Den Grünabfall, den er bei seinen Kunden einsammelt, wird er nicht länger zum Kompostwerk fahren, sondern selbst zu wertvollem Dünger für die Böden verarbeiten.

Im Mai 2015 startete er seine erste Fermentation, allerdings nicht auf Haufen oder Mieten, sondern in Big Bags. „So kann man es einfacher lagern und später leichter transportieren,“ meint er. Da die Big Bags aber nicht luftdicht sind, hat er sie mit einem luftdichten inneren Plastkbeutel versehen, die nach der Befüllung oben dicht verschlossen werden können.

Nahezu alle Grünabfälle eignen sich zur  Bokashi-Herstellung, nur stark holzhaltiges Material ist etwas schwieriger. „Im Wald dauert es ja auch Jahre, bis es zu einer vollständigen Vererdung kommt.“ Um ein ordentliches, homogenes Produkt zu bekommen, wird der Grünabfall zunächst geschreddert. Danach wird er schichtweise in den Behälter gegeben. Jede Lage Hächselgut wird mit einer Lage Bodenverbesserer versehen, Seemuschelkalk, Tonmineralien und EMa (oder ein Fertigprodukt wie in den Niederlanden „Microferm“ oder der „Emiko Garten- u. Bodenaktivator“), um die Fermentation in Gang zu setzen.

Vom Schredder in den Big Bag

Vom Schredder in den Big Bag

Thomassen nimmt pro Kubikmeter jeweils etwa 10 kg Seemuschelkalk und Tonmineralien. Durch den Kalk wird das Bokashi nicht zu sauer, und die Tonmineralien tragen beim Zustandekommen des Ton-Humus-Komplexes bei. Die Pufferkapazität der Nährstoffe im Boden wird verbessert. Außerdem nutzen die Mikroorganismen gern die Tonmineralien als Anlegeplätze.

EMa (oder ein vergleichbares Fertigprodukt) ist heutzutage ein Muss, da mehr schädliche als nützliche Mikroben in einem solchen System existieren, so dass sonst leicht eine falsche (= faulige) Fermentation entsteht.

„Pro Big Bag nehme ich etwa zwei Liter EM in 20 Liter Wasser. Ist das Material sehr trocken, nehme ich entsprechend mehr Wasser – bis zu weiteren 20 l – dazu, denn in zu trockenem Ausgangsmaterial können die Mikroorganismen nicht ordentlich arbeiten. Allerdings muss man auch darauf achten, dass das Material nicht zu nass ist, sonst fängt es leicht an zu faulen,“ erklärt Thomassen.

„Jede Lage,“ fährt er fort, „wird ordentlich verdichtet, damit so wenig Sauerstoff wie möglich in dem organischen Material bleibt. Mit dem inneren Beutel verschließe ich das Ganze, auch wenn noch nicht genügend Material da ist, um den Behälter ganz zu füllen. Das ist notwendig, um eine gute Fermentation auf den Weg zu bekommen und weder eine Kompostierung noch Fäulnis in Gang zu setzen.“

Nach acht Wochen ist das Bokashi in der Regel fertig. Aber ebenso wie bei einem guten Wein verbessert sich die Qualität von Bokashi durch längere Lagerung. Das Endresultat ist allerdings keine dunkle, trockene Erde wie beim Kompost, sondern die unterschiedlichen Strukturen des Schredderguts in den Big Bags sind vom Ausgangsmaterial kaum zu unterscheiden – sieht man von dem säuerlichen Geruch und von den weißen Pilzfäden ab, die den Inhalt des Sacks durchziehen.

Bokashi wird überall im Garten gebraucht. Jede Pflanze profitiert von dem Extra-Futter, denn Humus und Struktur braucht jeder Boden. Man kann das fermentierte Material für die Vorbereitung des Bodens für einen Rasen gut nutzen (1 kg/m2) oder für die Pflege desselben (0,5 kg/m2), als ca. 3 cm dickes Streu zwischen Sträuchern oder anderen Rändern. Der pH-Wert von Bokashi ist niedrig (unter 4), daher wartet man nach dem Einarbeiten des Bokashi am besten einige Tage bis man dort Pflänzchen setzt oder einsäht. Dann können die kleinen Wurzeln oder Keime auch nicht verbrennen.

Für die Zukunft hat Raf weitere Pläne: Er möchte die Obstbauern in der Umgebung davon überzeugen, das Fallobst mit EM zu fermentieren, und er möchte den Einsatz von EM (Microferm) bei der Gartenpflege bekannt machen und seinen Einsatz vorantreiben.

Emiel, Agriton Belgien

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