Das Terra Preta Phänomen: Modell für eine nachhaltige Landnutzung durch den gezielten Einsatz von Effektiven Mikroorganismen

Terra Preta ist ein erstaunliches Phänomen der alten indianischen Hochkulturen im Amazonasbecken. Dieser oft als „Grüne Hölle“ bezeichnete Naturraum wurde bisher als für den Menschen lebensfeindlich beschrieben. Dennoch haben sich dort vor 500 Jahren bis die Spanier kamen, mehr als 6 Millionen Menschen von den Früchten ihrer „Gartenstädte“ ernährt. Dies ist nur aufgrund ihrer hoch entwickelten Technologien möglich gewesen, welche in ihrer Genialität modernen wissenschaftlichen Errungenschaften um nichts nachstehen.

Im tropischen Amazonasbecken findet man an den alten Siedlungsplätzen eine tiefschwarze Erde. Tonscherben sind überall der Hinweis, dass hier Menschen am Werk waren. Die Flächen haben die Größe von Gärten von einem bis 300 ha. Offensichtlich sind die schwarzen Böden mit den Siedlungen gewachsen. Sie befinden sich immer auf Hügeln, die nicht überschwemmt werden können und zeichnen sich durch eine ungewöhnlich hohe Fruchtbarkeit aus. Farmer nutzen sie noch heute, obwohl die Herstellung dieser Böden in Vergessenheit geraten ist. Paradox ist, dass rundherum die typischen ausgewaschenen, nährstoffarmen Tropenböden sind, die nach einer Brandrodung des Regenwaldes 3 bis 5 Jahre mehr schlechte als rechte Erträge bringen und dann aufgegeben werden müssen. Dann plötzlich stößt man wieder auf tiefschwarze Terra Preta mit bis zu fünffachem Phosphor und Stickstoffgehalt und 10 bis 20 % organischem Kohlenstoff (Holzkohle). Bei uns enthalten die meisten Ackerböden 1 bis 3 % Kohlenstoff. Gute Gartenböden haben auch 5 %. Die hohen Kohlenstoffgehalte der Terra Preta sind mit guter fachlicher Praxis und regelmäßiger hoher organischer Düngung normalerweise nicht zu erreichen. Mit den bekannten Methoden schafft man maximal, 1 % organischen Kohlenstoff in 40 bis 60 Jahren aufzubauen. Die Realität sieht aber eher so aus, dass die moderne industrielle Landwirtschaft mit ihren Bewirtschaftungsmethoden Humus ab- statt aufbaut. Für viele Fachleute ist deshalb die Terra Preta ein großes Rätsel.

Dem Geheimnis auf der Spur

Einer Gruppe von Wissenschaftlern und Praktikern aus verschiedensten Wissensbereichen ist es gelungen, durch Naturbeobachtung und davon abgeleiteten Versuchen das Geheimnis der Herstellung der Terra Preta aufzudecken. Mehrfache Erträge, kerngesunde Pflanzen und kein Bedarf an Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel sind das Ergebnis. Der Kohlenstoff im Boden wird nicht mehr abgebaut, im Gegenteil, organische Dünger werden durch das aktive Bodenleben effektiv verwertet.  Jeder weiß, man kann eine große Fuhre Mist oder Kompost im Garten eingraben oder dicke Mulchschichten aufbringen und so kurzzeitig den Anteil organischer Substanz im Boden steigern. Aber, wie viele aus bitterer Erfahrung insbesondere auf den Sandböden wissen, schmilzt das organische Material zusammen wie Butter in der Sonne. Nach zwei bis drei Jahren ist alles wieder weg, nur eine verschwindend geringe Menge an stabilem Humus bleibt zurück. Die Mikroorganismen, Springschwänze und Regenwürmer haben alles restlos aufgefressen und veratmet. Im Gegensatz dazu bleibt bei der Terra Preta der hohe Humusgehalt über Jahrtausende stabil – und das ausgerechnet in den Tropen, wo Humus praktisch unbekannt ist, weil Wärme und Feuchtigkeit und die Abbautätigkeit des Bodenlebens seine Entstehung kaum zulassen.

Kohlenstoffspeicher (schwarz), menschliche Aktivitäten (rot), jährlich verursachte zusätzliche Kohlenstoffflüsse (rot und unterstrichen)

Wie genau haben die Amazonasindianer diese fruchtbare Erde geschaffen?

Wissenschaftliche und praktische Forschungen der letzten Jahre haben die drei Geheimnisse der Terra Preta Stück für Stück entschlüsselt. In Deutschland ist hier die Forschungsgruppe um Dr. Bruno Glaser an der Uni Bayreuth hervorzuheben, die die wesentlichen Grundlagen für die Wiederentdeckung der Herstellung von Terra Preta gelegt haben. Weiterhin waren die Bodenexperimente mit EM vom Bodenkundler und Terra Preta Forscher Dr. Haiko Pieplow in Zusammenarbeit mit dem EM-Berater Alfons Krieger, Ingenieurbüro für Nachhaltigkeit, und dem Entwickler von Pflanzenkläranlagen und nachhaltigen Wassermanagementsystemen Joachim Böttcher von der areal GmbH entscheidend. Informationen über den aktuellen Stand der Entwicklung können unter www.das-gold-dererde. de nachgelesen werden. Inzwischen belegen viele erfolgreiche Terra Preta Projekte, dass man das schwarze Gold auch in Deutschland herstellen kann. Man braucht dazu keine teure Ausrüstung. Es ist dafür insbesondere Wissen notwendig, um aus den vor Ort verfügbaren Materialien die schwarzen Böden herzustellen.

Die drei Geheimnisse der Terra Preta

1. Holzkohle  – Das auffälligste an den Terra Preta-Böden ist die über das ganze Bodenprofil verteilte Holzkohle. Bis zu 50 t und mehr Holzkohle wurden je Hektar gefunden. Holzkohle ist in Böden über Jahrtausende stabil und wird kaum chemisch oder biologisch abgebaut. Die große innere Oberfläche der Holzkohleteilchen kann große Mengen Wasser und Nährstoffe speichern. Eine hohe biologische Aktivität sorgt für gesunde Böden. Dadurch erreicht man eine perfekte und gleichmäßige Ernährung der Pflanzen. Ein Traum aller Gärtner und Landwirte. Holzkohle ist gleichzeitig ein idealer Lebensraum für Bodenmikroorganismen. In der schwammartigen, porösen Struktur der Holzkohle können sich perfekt geschützt komplexe Lebensgemeinschaften ansiedeln und auch ungünstige Zeiten wie Trockenheit und Nährstoffmangel überdauern. Sobald wieder Nahrung oder Feuchtigkeit zur Verfügung stehen, kann der Boden schnell und effizient aus den Holzkohleteilchen heraus neu besiedelt werden.

2. Fermentation mit Effektiven Mikroorganismen  – Die Holzkohle bietet den Mikroorganismen ein Haus. Aber es kommt darauf an, wer das Haus bewohnt. In den praktischen Versuchen, Terra Preta herzustellen, hat sich eine Impfung mit guten, gesundheitsfördernden Mikroorganismen als sehr wichtig erwiesen. Eine Schlüsselfunktion dabei haben milchsäurebildende Mikroorganismen, die eine Konservierung und den Aufbau organischer Substanz fördern. Die Effektiven Mikroorganismen (EM1®) sind hier als bekanntes, sicheres und günstiges Mittel zu nennen. Die Terra Preta Forschung wäre ohne die Erkenntnisse des EM-Entwicklers Prof. Teruo Higa aus Japan nicht erfolgreich gewesen. Die durch EM forcierte milchsaure Fermentation führt dazu, dass organische Substanz nicht schnell abgebaut wird, sondern vermehrt in dauerhafte Humusformen um und aufgebaut wird. Die EMs in Verbindung mit Holzkohle und einem nachhaltigen Anbausystem sind der Stein der Weisen. Den ersten Schritt in der Terra Preta Herstellung kann man als Holzkohle-Bokashi bezeichnen. In einem zweiten Schritt wird dieses Holzkohlebokashi in einem Wurmkompost vom Bodenlebewesen zur Terra Preta Initial, vergleichbar mit EMa, vererdet. In einem dritten Schritt erfolgt die Reife zur Terra Preta durch die Einbringung in ein nachhaltiges Anbausystem, wie dem ökologischen Landbau oder Permakultur.

3. Kreislaufwirtschaft – Kreislauf des Lebens  – Die Natur kennt keine Abfälle. Hat man mit Effektiven Mikroorganismen einen gesunden Lebensraum erschaffen, muss dieser gepflegt und gefüttert werden. Terra Preta ist nachweislich aus menschlichen Fäkalien, Knochen, Fisch- und Fleisch- und allen denkbaren organischen Abfällen mit Holzkohle in speziellen Tongefäßen entstanden. Der Kreislauf des Lebens war kleinräumig geschlossen. Gesunde Böden haben gesunde Pflanzen und gesunde Lebensmittel für Tier und Mensch hervorgebracht, deren Ausscheidungen wieder in den Kreislauf des Lebens zurückgelangt sind. Die gleichen guten Mikroorganismen finden sich in der Darmflora genauso wieder wie im Boden. Der Boden ist das Verdauungssystem der Pflanzen, hat schon Aristoteles gewusst. Die Feinwurzeln der Pflanzen funktionieren, vergleichbar mit den Darmzotten, im Zusammenspiel mit den dort lebenden Organismen. Durch die sorgfältig gesteuerte Fermentation wurden die Abfälle hygienisiert und die Holzkohle und der entstehende Humus mit guten Mikroorganismen und reichlich Pflanzennährstoffen aufgeladen. Für die Schließung der Kreisläufe haben die Ausscheidungen von Tieren und Menschen eine herausragende Rolle. Sie können uns krank machen oder die Grundlage unseres Glücks sein. Um bei Fäkalien die Fäulnisprozesse, die Entwicklung von Krankheitsmilieus und die Entstehung von Methan zu unterbinden, muss man den Urin abtrennen. Urin ist als Goldwasser viel zu schade, um es mit Fäkalien zu vermischen. Der keimfreie Urin kann verdünnt direkt als hochwertiger Schnelldünger verwendet werden.

Foto: Bruno Glaser

Die Schwemmkanalisation und die zentrale Abwasserentsorgung unserer Zivilisation ist ein folgenschwerer Irrtum. Seit ihrer Einführung haben uns viele große Geister davor gewarnt. Unter ihnen auch der oft falsch dargestellte Chemiker Justus von Liebig, der Gründer des Biolandbaus Hans-Peter Rusch und der revolutionäre Architekt Friedensreich Hundertwasser. Die zentrale Abwasserentsorgung überlastet unsere Flüsse, Seen und das Meer mit Nährstoffen und Keimen. Das freigesetzte Kohlendioxid, Lachgas und Methan fördern den Klimawandel. Diese Nährstoffe und der Kohlenstoff fehlen unseren Böden. Der EM-Berater Marko Heckel hat die erfolgreichen Experimente von Haiko Pieplow und Alfons Krieger mit einer anaeroben Trocken-Trenntoilette aufgegriffen. Über ihn können die erforderlichen Materialien bezogen werden. Damit wird der Einstieg in die individuelle Herstellung von Terra Preta für jeden möglich. (www.triaterra.de) Die unbekannten Zivilisationen, welche uns Terra Preta hinterlassen haben, machten uns mit dem schwarzen Gold das wertvollste Geschenk, das man sich vorstellen kann. Mit diesem Wissen und unseren „inneren Werten“ können wir uns ein eigenes Paradies, einen ertragreichen Garten für gesunde Lebensmittel und ein sinnstiftendes Leben schaffen. Es ist alles um uns herum da, um glücklich zu sein.

Dr. Haiko Pieplow

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